Erfahrungsbericht Daniel Lipp Schreinerei

von Maxmilian Engels

Was haben Sie erlebt?

Der einwöchige Einblick in die Schreinerei Lipp war für mich sehr interessant, auch, wenn ich, wie sich während meiner Zeit herausstellte, veraltete Erwartungen bezüglich der Arbeit an sich hatte.
Ich habe mich bewusst für ein handwerkliches, produzierendes Unternehmen entschieden, um einen zweiten Blickwinkel im Gegensatz zur dienstleistungsorientierten Bank zu bekommen – dies hat auch voll und ganz funktioniert.

Wie haben Sie die Erkundungswoche verbracht?

Von der ersten Minute an durfte ich riesige Platten mit zurechtschneiden, Waren annehmen, Löcher bohren und Einzelteile zusammenstecken. Allerdings wurde während fast allen Produktionsschritten mehr mit Maschinen gefertigt, als von Hand. Das hätte ich so gar nicht erwartet, auch wenn es dadurch selbstverständlich präziser und schneller geht. Denn ich wollte im Gegensatz zu der Arbeit in der Bank, etwas nur mit meinen Händen schaffen und nachher ein Ergebnis sehen. Dies blieb mir (vorerst) verwehrt. Allerdings hatte ich hier das erste Mal den Vorteil gesehen, den ein Unternehmen durch eine Finanzierung solcher Produktionsmaschinen haben kann. Anhand der Maschinen konnte die Produktion sehr viel effizienter gestaltet werden, was alle Mitarbeiter mir mit großer Freude erörterten. Das schnellere und präzisere Arbeiten verbreitet sich selbstredend, sodass auch weitere Unternehmen und sogar andere Schreinereien gerne davon Gebrauch machen und teils selber zur Kundschaft gehören. Generell konnte ich sehr gut erkennen, dass alle Mitarbeiter an einem Strang ziehen und jeder nicht nur seinen eigenen Produktionsschritt vor Augen hat.


Was war Ihr persönliches Erfolgserlebnis?

Ein Highlight der spannenden Woche war meine erste Montage. Ich durfte mit einem Mitarbeiter der Schreinerei in einem Haus im „Rohbau-Zustand“ eine Treppenvorrichtung anbringen. Hier konnte ich wirklich eine komplette Baustelle sehen. Die Fensterbauer montierten die Scheiben, Kabelkanäle lagen auf dem Boden, Schutt wurde auf einem großen Haufen gesammelt, der Maler zog eine Wand und mittendrin waren wir und schraubten verschiedene Balken, die später eine Treppe ergeben werden, in den Boden. Im ersten Moment war es für mich erstaunlich, dass die Wohnung in Zukunft bewohnt werden kann! Anhand der Pläne konnte ich mir bildlich vorstellen, wie es denn mal aussehen wird und war erstaunt, dass wir einen Teil dazu beigetragen haben. Wir hatten also, weit weg von den riesigen Maschinen, etwas mit unseren Händen erschaffen.


Sehr lehrreich war auch ein Gespräch mit dem Geschäftsführer Herrn Lipp, in dem er mir den kompletten Vorgang von Auftragseingang bis zur Montage des Kundenwunsches erklärte. Hier wurde mir bewusst, wie viel Planung auch schon hinter einem kleinen Schrank steckt. Ich dachte immer, dass ein Schreiner exemplarisch die Schrauben und Scharniere intuitiv an die richtige Stelle setzt, aber beispielsweise muss jede einzelne, noch so kleine Schraube im Vorhinein bedacht werden. Diese Pläne gehen dann über die Mitarbeiten an die Maschinen, die dann alles auf den Zehntel Millimeter genau machen. Das ist so klein, dass man den Unterschied mit bloßem Auge nicht erkennt – und ich sogar mit Brille nicht.

Wie ist Ihr Fazit der Erkundungswoche?

Zusammenfassend war es sehr spannend, einen neuen Beruf kennen gelernt zu haben und die mögliche Wirkungskraft einzelner Investitionen zu sehen. „2 Blickwinkel“ war also abschließend für mich ein voller Erfolg, bei dem ich sehr viel für mein zukünftiges Leben mitnehmen kann.